Die Rundfahrt: Erster Teil

Heute ging es von Göteborg nach Jönköbing in ein Hotel, dass sich leider von dem vorherigen Hotel sehr unterschied. Aber spannend an dem Tag war der Weg dorthin. Trollhättan lag auf der Strecke, bot ganz viele Attraktionen und war mir kurz vor der Abreise auch von Rita und Volker empfohlen worden, die 1972 einmal dort waren. Der Besuch dort hat sich sehr gelohnt. Trollhättan ist ein sehr kleines Städtchen, das sich offenbar mit dem Bau des Gotakanals auf das heutige Maß entwickelt hat. Alles ist auf den Betrieb des Götakanals ausgerichtet, es gibt ein Magazin, in dem jegliche Arbeit  für den Kanal ausgeführt werden kann. Auch die Schiffslenkung für den ganzen Kanal ist dort angesiedelt. Die Stadt riecht, wie vieles hier, nach Teer für das ganze Holz. Erinnerungen an das  alte Brunsbüttel  machten mir die Stadt besonders sympathisch. In einem Touristoffice waren wir auf eine Schleusenführung aufmerksam geworden, die in einer halben Stunde beginnen sollte. Hastig, mehr oder weniger, haben wir uns zum Startpunkt begeben … und waren die beiden einzigen Gäste.  Jan, der Guide war sehr tapfer und hat die Tour mit uns gemacht. Er hat uns sehr ausführlich den Werdegang des Kanals und den heutigen Betrieb und Nutzen dargestellt. Und wieder so ein Erlebnis: Man kümmert sich sehr um etwas, das jemanden berührt.

In dem zum Touristenbüro anliegenden Cafe nahmen wir das erste Mal so typische schwedische Leckereien wie Kanellbullar und Karottenkuchen zu uns. In den Reiseführern hatten wir gelesen, dass Schweden eine ausgesprochene Kaffeenation ist. Also haben wir wie gewohnt Cappuccino und Latte Machiato bestellt. Und waren enttäuscht. Erst im Laufe der Reise haben wir Gefallen an dem überall angebotenen eher lauwarmen Filterkaffee gefunden. Die Kuchen sind allerdings genial.

Spät Abends kamen wir in Jönköping an, hatten dort den fast einzigen Regen der Reise und waren einem riesig wirkenden Hotel untergebracht. Es war auf jeden Fall sehr hoch, sehr aus Beton und eher häßlich. Die Stadt machte nicht unbedingt Lust auf einen abendlichen Spiergang, so dass wir im Hotel im 23. Stock unser Abendbrot mit einem tollen Sonnenuntergang über dem Vänernsee aßen. Sehr lecker wie alles bisher.

Aus Jönköping kommen die Streichhölzer. Und die Sicherheitshölzer sind dort erfunden worden. Und wir sind nicht in das Streiholzmuseum gegangen.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Nyköping. Durch Gränna hindurch, eine Stadt, die für ihre Zuckerstangen bekannt ist. Ein winziges Museum über eine Polarexpedition und beeindruckend große Häuser aus Blockbohlen. Sehr weit entfernt von dem Häuschen, das bei uns im Garten steht. In allen Reiseführern steht, dass Touristen immer auf der Suche nach roten Häusern sind. Gränna ist der einzige Ort, in dem es auch gelbe gibt. Sonst sind sie immer rot. Heute ist Midsommernacht. So eine ganz vage Idee davon, dass ganz viel passieren muss, habe ich. Einen konkreten Plan jedoch nicht. In Nyköping erwartet uns ein ganz tolles Clarion Hotel, mit einer großen Terasse, die an ein kleines Gewässer angrenzt auf dessen anderen Seite ein kleiner Vergnügungspark aufgebaut ist. Spontan entscheiden wir uns für ein skandinavisches Buffet und verbringen die Mitsommernacht sehr friedlich und ruhig mit vielen anderen Hotelgästen. Die extra eingepackte Schlafbrille für die kurzen Nächte tut gar nicht not. Bei Nicole, Karinas Schwester war es zu der Hochzeit in dieser Jahreszeit in Finnland nachts wesentlich heller. Nach einem traumhaften Frühstück auf dieser tollen Terasse geht es am 22.6. weiter nach Stockholm.

Schön an dieser vorgebuchten Tour sind die kurzen Strecken, die am Tag zurückgelegt werden müssen. Heute sind es nur 105 Kilometer. Genügend Zeit, genauer hinzusehen. Bei dem ersten Stopp an dem Ufer eines der zahlreichen Seen stoßen wir auf seltsame Reste von gestern. Unzählige Lagerfeuerstellen, als wären in der Mitsommernacht ganz viele Strandpiraten unterwegs gewesen. Und andere Dinge, über deren Verwendung man nur mutmaßen kann.

Auf dem weiteren Weg kommen wir nach Trosa. Einer wunderhübschen kleinen Stadt mit einem Yachthafen mittendrin. Sehr charmante teils doch gelbe Häuser, enge Gäßchen und verschiedene Brücken über den winzigen Fluss in der Stadt. Ein kleines Cafe gibt erst bei Betreten einen wunderschönen Innenhof preis. In dem gibt es, wie nicht anders zu erwarten, wieder leckeres zum Kaffee. Das ganze Dorf scheint hier versammelt, um den Mitsommertag zu feiern. So gemütlich! Trosa ist auf jeden Fall ein Reisewunsch für das nächste Mal.

Gar nicht so spät sind wir in Stockholm angekommen. Mein erster Verdacht hinsichtlich der Lage des Hotels bestätigt sich. Doch sehr im Osten der Stadt, riesig und wie aus Beton. Und das, obwohl es Prince Phillip heißt.Weil es bei der Ankunft so leer wirkte, haben wir uns noch gewundert. Die Lösung ergab sich später, als 10 Reisebusse Touristen aus sehr ungewöhnlichen Ländern abluden. Die gerade liebgewonnene Ruhe war weg. Auch der Fußweg durch ein am Wochenende verlassenes Einkaufszentrum zu S-Bahn und dann die S-Bahn-Fahrt durch Vororte, die an die Banlieue von Paris erinnern, bremsten die Vorfreude an die Stadt ein wenig. Aber alles wurde gut:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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