Ein Hafentag in Göteborg am 19.6.2013

Englisch ausgesprochen klingt der Stadtname wie Gotham City, hat aber mit diesem liederlichen Ort nichts gemein.

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Wir hatten bei der Planung unserer Tour vor Monaten einen zusätzlichen Tag in Göteborg eingebaut. So konnten wir die Stadt heute viel besser kennenlernen.

Göteborg ist toll!

Sie ist wunderschön, baulich stellt sie Oslo oder die Hamburger Hafencity locker in den Schatten. Es fällt auf, dass sie nicht am Reißbrett entstanden ist , sondern gewachsen. Es gibt in den allseits üblichen Glasfassaden einfach riesige Häuserfronten, in die Holzflächen integriert wurden. Und über einen seltenen baulichen Fehler lacht die Stadt selbst. Sehr sympathisch.

Erst heute Morgen hatten wir bemerkt, dass auf unserer Buchung ein Vier-Sterne-Hotel vermerkt war. Nach einer sehr erholsamen Nacht auf so modernen Hightech-Betten, die sich anfangs ganz weich anfühlen, dann aber doch genau dort stützen, wo sie es sollen, ging es zu einem fantastischen Frühstücksbüffet. Es gab sehr viele leckere unDSCF3933d neue Eindrücke. Schlicht empfehlenswert.

Die Fahrt in die Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln begannen wir mit einem Start in die falsche Richtung. Bei einem kleinen Stadtbummel haben wir einen mobilen Internetzugang organisiert. Die Situation ist ja immer schwierig. Kontakt zu einem Mobilfunkanbieter mit einem ungewöhnlichen Interesse im Ausland. Wir hatten in Dänemark, Schottland und Frankreich sehr unterschiedliche Erfahrungen gesammelt und Geräte erworben. Heute bekamen wir nach sehr gezielter Beratung eine passende Prepaidkarte,  die völlig selbstverständlich  auch eingebaut und aufgeladen wurde. Während unserer Beratung hatte sich eine Schlange an Kunden gebildet. Aber niemand beklagte sich. Alle warteten einfach, bis die Mitarbeiterin mit unserem Anliegen fertig war. Die Situation ist mir später noch mehrfach aufgefallen. Man nimmt sich die Zeit, weil  man weiß, dass man in der umgekehrten Situation auch Zeit erhält.  Gerecht und respektvoll. Zugegeben, ich schwärme gerade ein wenig, aber das ist mein Eindruck von heute.

Anschließend sind wir dann in eine alte Markhalle, ähnlich der Hamburger Fischauktionshalle gegangen. Wider Erwarten wurden hier kaum Fische, dafür aber riesige Mengen an Fleisch und Backwaren angeboten.DSCF3908 Das Fleisch sehr fettig und die Kuchen süß. Ich muß klären, wieso die Schweden so dünn sind! Ein kleiner Snack entpuppte sich als Kräuterschnitzel.

Nach der Stadthalle unsere erste Hafenrundfahrt. In Göteborg wird sie mit offenen Booten ohne jeden Aufbau vorgenommen, damit man unter den Brücken hindurchfahren kann. Das Kanalsystem wurde von Holländern erstellt (irgendwie ja auch wie immer) und es machte Spaß, uns das alles von einer lässigen Crew zeigen zu lassen. Der Skipper intonierte mit seinem Boot zu den passenden Stellen…

Unser Tourguide war eine 25-30 jährige, absolut quirlige Schwedin, die völlig in ihrem Job aufging. Der Text war schwedisch und englisch, leider verstehe ich schwedisch noch immer nicht.DSCF3927

Weil die Brücken über die Kanäle sehr niedrig sind, kann man sie im stehen nicht passieren.  Die Reiseleitung  zog besonderes Interesse auf sich, indem sie im Stehen mit dem Rücken in Fahrtrichtung Ihre Geschichten erzählte und erst im allerletzen Moment  völlig lässig eine Position einnahm, in der die Brücke ihr nichts tun konnte.

Bei diesem Brückenhöhenthema war auch das Publikum gefragt. Bei einer Brücke mussten wir unseren Platz verlassen und uns auf den Boden knien. Die Rückenlehnen des Bootes waren nun das Höchste und schrammten sehr nah unter ihr durch.

Sie zeigte uns noch die Bausünde. Zwischen all den perfekten Gebäuden fand sich ein ausgesprochen häßliches Silo in der Uferlinie. Sie strahlte bei dem Eingeständnis, dass hier wohl ein Fehler unterlaufen sei, eine ganz gehörige Menge Selbstvertrauen aus.

Bei dem Rückweg jetzt einmal mit der Straßenbahn nahmen wir wieder den Zug in die falsche Richtung. Im Hotel angekommen trafen wir in der Hotelbar noch auf einen großen Haufen ausgelassener und freundlicher Schweden, die wohl an einer Art Firmentreffen teilnahmen. Zum ersten Mal erlebten wir den völlig entspannten und unaufdringlichen Umgang miteinander.

Ich weiß, ich schwärme schon wieder.

Wir sind dann weitergefahren.

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