Die Vasa

Kaum jemand kennt die Wasa nicht. Also auf jeden Fall nicht, wenn er männlich ist  und älter als 40. Mein erstes Erlebnis mit ihr hatte ich mit einem Revell-Modellbausatz.

Sie ist ein schwedisches Segelschiff, das so um 1630 gebaut wurde. Sie sollte das größte und schönste Schiff ihrer Zeit sein. Tragisch, und auch der Grund der Berühmtheit ist, dass sie während der Jungfernfahrt nach 30 Minuten mit Mann und Maus abgesoffen ist.DSCF4246y

Tatsächlich wurde ihr Wrack in Stockholm gefunden, geborgen und sehr aufwändig restauriert.  Unter anderem wurde sie 17 Jahre lang mit einer haarschampooähnlichen Lösung besprüht, damit das Wasser aus dem Holz verdrängt werden konnte.  Als wir während einer Führung hierauf hingewiesen wurden, konnte ich mich daran erinnern, dass ich in Kindheitstagen eine entsprechende Nachricht gelesen hatte und ganz traurig war, dass man noch so lange warten muss, bis man sie sehen kann.

Nun ist noch viel, viel mehr Zeit ins Land gegangen.  Aber heute habe ich sie getroffen. Es war aufregend. Und ganz anders, als erwartet.

Die Schweden mögen die Vasa auch sehr gern.  Sie haben ein Museum um sie herumgebaut, in der eine wunderschöne Präsentation möglich wird. Der Eingang und auch die Details sind in schlichtem Beton gehalten.  Es entsteht ein Eindruck von Moderne aus den 1930ern. Ein sehr dunkler, großer Raum gibt nach dem Eintreten den Blick auf das Schiff frei. Und dieser erste Blick war schon ….  Sie ist doch gar nicht groß!  Und sie sieht so seltsam glänzend aus. Weil die Fugen zwischen den Planken nicht geschlossen sind, wirkt sie gespenstisch. Und so hoch, weil das Heck viel höher ist, als der Rest. Einen fliegenden Holländer hätte ich mir nicht schauriger vorstellen können.

Man konnte auf einer ersten Ebene ungefähr auf der Höhe der Wasserlinie um das Schiff herumgehen. Dabei fielen unter anderem auch die zahlreichen geschnitzten Holzfiguren auf.DSCF4249

Nach den ersten Eindrücken nahmen wir an einer Führung teil, die uns viele Dinge erst einmal offenbarte. Die Führung wurde durch eine sehr kwirlige und laute Schwedin vorgenommen. Im Eiltempo wurde die historische Bedeutung des Schiffes beleuchtet und auch die Umstände des Unterganges. Ohne es weiter geprüft zu haben, meine ich, dass in der Literatur auch Hinweise auf die Überladung durch weitere ungeplante Kanonen zu finden sind;  während der Führung und auch im Museum  wurde der Grund des Unterganges mit geöffneten Kanonenluken im Zusammenspiel mit einer Windbö genannt. Wie dem auch sei.

Beeindruckend waren auch andere Daten.  Auf einem Schiff von 40 Meter Länge sollten 400 Menschen für mehrere Wochen leben.

Die Küche des Schiffes befand sich sehr weit unten im Schiff, so dass alle Gase an der ganzen Mannschaft vorbeizogen.

Der Spiegel des Schiffes war 18 Meter hoch, mit zahlreichen geschnitzten Symbolen versehen. Er war rot angestrichen.

Der Arzt an Bord war nur mit Amputationen beschäftigt. Seinerzeit, also vor dem Penicillin, die einzige Möglichkeit, den Wundbrand zu bekämpfen.

Im Museum findet sich noch eine interessante Sammlung von Fundstücken aus der Bergung. Ebenso wird ein Film zu diesem Thema gezeigt.

Zahllose sehr interessante Details prasselten auf uns ein. Eine Zusammenfassung gehört hier ja nicht her, nur,  anschauen solltet Ihr sie!DSCF4252

Schon der Weg zu dem Museum ist ein Genuß: Unter anderem kommt man an zwei Bootshallen vorbei, in denen auf der einen Seite „gewöhnliche° Sportboote aus den 50ern mit ihrem ganz besonderen Charme, auf der anderen Seite aber auch die königliche Barke ausgestellt werden. Ich hatte die Barke als Grundschüler im Fernsehen gesehen, als Sylvie und Gustaf geheiratet haben. Auf Karinas Frage, ob das Boot  auch der bei kürzlichen Trauung von Prinzessin Madelaine genutzt wurde, kam die Antwort:  She wasn`t royal enough… Schwedischer Humor eben.DSCF4228

Dramatische Erlebnisse hatten wir dann noch in Gröna Lund!

 

 

 

 

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